Crail

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Bildquelle: Copyright by Undiscovered Scotland

Wie alt Crail wirklich ist, ist ungewiss, aber man kann davon ausgehen dass es hier bereits zur Zeit der Pikten eine Siedlung gab. Wissenschaftler erkennen im Namen den piktischen Begriff Caer, der so viel wie „Festung" oder „Fort" bedeutet.

crail parish churchEin Hinweis darauf, dass diese Annahme stimmen könnte, findet sich in der Gemeindekirche. In der Crail Parish Church aus dem Jahre 1243, die dem heiligen Maelrubha (ca. 642-722 n.Chr.) geweiht ist, befindet sich das Crail Cross-Slab. Der Pictish Symbol Stone aus dem 8. Jh. ist bemerkenswert gut erhalten und absolut sehenswert.

Weitere piktische bzw. frühchristliche Spuren findet man übrigens in den südwestlich von Crail gelegenen Caiplie Chapel Caves. Die Wände dieser Höhlen sind ebenfalls mit Symbolen der Pikten bzw. der frühen Christen verziert.

Doch zurück zum Örtchen Crail. Der Ort schmiegt sich um den Hafen herum und beeindruckt mit seinen malerischen Häusern aus der Zeit des 18. bis ins frühe 19. Jh., von denen viele durch den National Trust renoviert wurden. Sie alle werden aber durch die aus dem 13. Jh. stammende Kirche in den Schatten gestellt, die trotz ihrer zahlreichen Umbauten zu den schönsten historischen Kirchen Schottlands gehört.

Auffallend sind der Westturm mit seiner kleinen Spitze und der aus rotem Sandstein gefertigte Säulengang in im lichtdurchfluteten Kirchenschiff. Zahlreiche der Holzarbeiten stammen aus dem 17. Jh. und man kann eine ungewöhnlich geformte – früher in den Boden eingelassene – frühchristliche Grabplatte bewundern, die vermutlich aus dem 10. Jh. stammt. Wer gerne mal ein paar schöne, sehr alte Grabsteine sieht, dem sei ein Besuch auf dem Friedhof empfohlen.

Des Weiteren sehenswert im Ort sind das Crail Tolbooth & Museum (Zollhaus) mit seinem eigenen Marktplatz und dem Turm aus dem Jahr 1600, der Taubenschlag und der öffentliche Garten oberhalb des Hafens, in dem man bei sehr genauem Hinsehen noch die minimalen Überreste des Schlosses entdecken kann, das hier einst stand – möglicherweise ist dies auch der Platz der anfangs schon erwähnten piktischen Festung.

Wer sich auch am Strand ein wenig umtut, wird hier versteinerte Bäume aus der Zeit des Paläozoikums (genauer gesagt, dem Karbon vor 290–354 Mio. Jahren) entdecken.

Im Norden von Crail gibt es einen Flugplatz, der seinen Ursprung im Ersten Weltkrieg hat. Im Zweiten Weltkrieg starteten von hier jene Piloten, denen der finale Schlag gegen die Tirpitz (1944) gelang. Von 1951 bis 1960 war hier eine Militärschule für Linguistik untergebracht – hier wurde all jene in Russisch unterrichtet, die irgendwie mit dem „Kalten Krieg" zu tun hatten (Dolmetscher, Geheimagenten etc.). Den Flugplatz gibt es noch heute und jeden zweiten Sonntag im Monat wird hier auch wieder gestartet...nein, nicht mit Flugzeugen, sondern mit selbstgebauten Fahrzeugen, mit denen Wochenend-Rennfahrer sich hier Rennen vom Feinsten liefern (zumindest würde das bestimmt jeder Teilnehmer so ausdrücken...gesehen haben wir es selber noch nicht!)

Aber auch der Golfclub von Crail verdient es, erwähnt zu werden, denn es gibt nur sechs Clubs in der Welt, die älter sind. Der älteste zum Club gehörende Platz „Balcomie" wurde 1894 durch Tom Morris sen. gestaltet. Morris, auch bekannt als „Old Tom Morris", stammte aus St Andrews. Geboren 1821 in der Wiege des Golfsports schlechthin, kam er schon früh zum Golf. Er fing schon sehr jung als Caddy an und spielte auch schon Golf, bevor er mit 14 eine Lehre bei Allan Robertson anfing, dem wohl ersten Golfprofi der Welt.

Nach den vielen Jahren der Ausbildung nahm er ab 1840 immer wieder gemeinsam mit Robertson an Turnieren teil – dann jedoch nicht mehr als sein Caddy, sondern als Partner in Mannschaftswettbewerben (wir sind keine Golfer, aber es scheint so was wie ein „Doppel" zu geben). Bekannt wurden die beiden auf Grund ihrer Stärke als „die Unbesiegbaren".

Mit einer solchen Ausbildung musste ja was aus Morris werden – den entscheidenden Schritt tat er jedoch erst, als Robinson ihn 1851 feuerte, weil dieser ihn dabei erwischte, wie er mit dem Ball einer Konkurrenzfirma spielte – Robinson war Eigentümer der von Morris verschmähten Firma.

Morris ging nach Prestwick, leitete und gestaltete hier den Golfplatz und baute seine eigene Golffirma auf. Im Jahre 1851 ging er zurück in seine Heimat St Andrews wo man ihn als hochbezahlten „Platzwart" (so ziemlich die wichtigste Position auf einem Platz) anstellte. Er schaffte es, den heruntergekommen Platz mit seinen selber entwickelten technischen Hilfsmitteln und neuen Löchern (das 1. und das 18. stammen von ihm!) zu dem zu machen, was der Platz noch heute ist – DER Platz schlechthin! Er sollte für sage und schreibe 38 Jahre in dieser Position bleiben und als er in den Ruhestand ging, erhielt er vom Betreiber des Platzes weiterhin seine vollen Bezüge als Rente.

Noch heute ist er mit 46 der älteste „Open Championship"-Sieger und der Einzige, der an 2-Mann-Team-Wettbewerben mit seinem Sohn (Young Tom Morris) teilnahm, hiervon eines gewann und bei einem weiteren Zweiter wurde. Einen seiner Rekorde – den mit dem größten Vorsprung als Sieger bei einer „Open Championship" (13 Schläge) – musste er allerdings nach unheimlichen 138 Jahren an keinen geringeren als Tiger Woods abgeben, als dieser 2000 die „US-Open" mit 15 Schlägen Vorsprung für sich entschied!

Mit seinem Sohn spielte er übrigens bis 1875 zusammen – nicht, weil der Senior nicht mehr konnte, sondern weil dessen Sohn verstarb. Der Senior überlebte seinen Sohn um 33 Jahre, bevor er selber am 24.5.1908 starb. Aber seine Handschrift hinterließ Tom Moris quer über die britischen Inseln und darüber hinaus durch die von ihm entworfenen oder mit-designten Plätze – und einer von diesen ist eben jener hier in Crail.

scotland s secret bunkerWer von Crail aus nach Norden in Richtung St Andrews reist, dem sei der äußert interessante Scotland's Secret Bunker empfohlen. Das faszinierende Relikt aus der Zeit des Kalten Krieges war eine der unterirdischen Kommandozentralen Großbritanniens und ein Zufluchtsort für führende schottische Politiker im Fall eines Atomkrieges. Der unterirdische Bunker ist wirklich absolut sehenswert!

dunino parish churchWer es nicht ganz so geschichtsträchtig oder vielmehr ein bisschen mystisch mag, sollte die Dunino Parish Church bzw. den Dunino Den besuchen. Die nette kleine Gemeindekirche aus dem Jahre 1827 ist zwar keine Hauptattraktion der Region, doch befindet sie sich in unmittelbarer Nachbarschaft zum sagenumwobenen Dunino Den. An diesem mystischen Ort befinden sich diverse piktische und frühchristliche Symbole und deuten somit darauf hin, das hier einst religiöse Versammlungen bzw. Riten abgehalten wurden.

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Öffnungszeiten

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62-64 Marketgate
Crail
KY10 3TL

+44 1333 450869

N 56°15'41.18"
56.261440

W 2°37'31.01"
-2.625280

April-Oktober

   

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